2027 wird ein (Ab-)Schaltjahr
Die neue Abnahmevergütung verändert die Spielregeln für Solarstrom. Wer Eigenverbrauch, Batteriespeicher und Hybridwechselrichter frühzeitig berücksichtigt, kann Solarstrom auch künftig wirtschaftlich nutzen.
Ab 2027 wird die Vergütung für eingespeisten Solarstrom stärker vom Zeitpunkt der Einspeisung abhängen. Die passende Antwort darauf steht schon heute bereit: Batteriespeicher und Hybridwechselrichter machen Solarenergie flexibel nutzbar, erhöhen den Eigenverbrauch und reduzieren die Abhängigkeit von schwankenden Marktpreisen.
Was sich ab 2027 ändert
Wenn sich Produzent und Verteilnetzbetreiber nicht auf eine Vergütung einigen, richtet sich die gesetzliche Auffangvergütung ab 1. Januar 2027 nach dem Day-Ahead-Preis zum Zeitpunkt der Einspeisung. An die Stelle des vierteljährlichen PV-Referenzmarktpreises tritt damit ein zeitabhängiger Marktpreis. Dieser wird am Vortag für jede Stunde festgelegt und soll voraussichtlich ab Winter 2026 viertelstündlich ausgewiesen werden.
Die Regel gilt für Anlagen, die unter die Abnahme- und Vergütungspflicht nach Artikel 15 des Energiegesetzes fallen: bis zu 3 MW Leistung oder bis zu 5000 MWh jährliche Produktion nach Abzug des Eigenverbrauchs. Ausgenommen sind Anlagen im Einspeisevergütungssystem sowie Anlagen mit gleitender Marktprämie. Netzbetreiber können weiterhin alternative Modelle wie eine jährlich festgelegte Fixvergütung anbieten.

Beispiel einer dynamischen Abnahmevergütung für Solarstrom. Die Vergütung orientiert sich künftig stärker am Zeitpunkt der Einspeisung. Quelle: Swissolar.
Was bedeutet das konkret für Betreiber von PV-Anlagen?
Die Veränderungen bei der Abnahmevergütung bedeuten nicht, dass Photovoltaik an Attraktivität verliert. Im Gegenteil: Solarstrom vom eigenen Dach bleibt wertvoll. Gleichzeitig wird es wichtiger, möglichst viel der selbst produzierten Energie direkt vor Ort zu nutzen.
- Eigenverbrauch wird wichtiger: Jede selbst genutzte Kilowattstunde reduziert den Strombezug aus dem Netz.
- Speicher werden wirtschaftlich attraktiver: Überschüssiger Solarstrom kann gespeichert und später genutzt werden.
- Strom vom eigenen Dach gewinnt an Wert: Der Fokus verschiebt sich von der Einspeisung hin zur eigenen Nutzung.
- Solarstrom sollte möglichst vor Ort genutzt werden: Batteriespeicher, Wärmepumpen, Ladestationen oder andere Verbraucher helfen dabei, den Eigenverbrauch zu erhöhen.
Speichern statt abregeln
Besonders zur Mittagszeit kann viel Solarstrom auf eine geringe Nachfrage treffen. Fallen die Day-Ahead-Preise unter null, kann die Einspeisung zur Kostenposition werden.
Die Lösung ist nicht, wertvolle Solarenergie ungenutzt zu lassen: Ein Batteriespeicher nimmt den Überschuss auf und stellt ihn später für den Eigenverbrauch bereit. Der Hybridwechselrichter sorgt dafür, dass die Energie dorthin fliesst, wo sie den grössten Nutzen bringt - in die Batterie, zu Verbrauchern im Gebäude oder, bei attraktiven Preisen, ins Netz. Erst wenn Speicher und flexible Verbraucher keine weitere Energie aufnehmen können, wird die Einspeisung gezielt begrenzt.
Batteriespeicher: Solarstrom nutzen, wenn er gebraucht wird
Ein Batteriespeicher entkoppelt die Solarproduktion vom Zeitpunkt des Verbrauchs. Überschüssige Energie vom Mittag steht dadurch am Abend oder in den frühen Morgenstunden zur Verfügung. Das erhöht den Eigenverbrauch, reduziert den Strombezug aus dem Netz und macht die Anlage unabhängiger von schwankenden Rückliefertarifen.
- Mehr Eigenverbrauch: Solarstrom wird gespeichert und zeitversetzt im Gebäude genutzt.
- Weniger ungünstige Einspeisung: Überschüsse müssen nicht zu tiefen oder negativen Preisen abgegeben werden.
- Mehr Flexibilität: Batterie, Elektroauto, Boiler und Wärmepumpe können koordiniert mit Solarstrom versorgt werden.
- Mehr Zukunftssicherheit: Die Anlage kann auf dynamische Preise und neue Tarifmodelle reagieren.
Damit der Speicher seine wirtschaftliche Wirkung entfaltet, wird er passend zum Produktions- und Lastprofil dimensioniert. So steht ausreichend Kapazität für die Mittagsproduktion bereit, ohne unnötig gross zu planen.
Hybridwechselrichter: Die Schaltzentrale der Anlage
Der Hybridwechselrichter verbindet Photovoltaikmodule, Batteriespeicher, Gebäude und Stromnetz in einem System. Er steuert, ob Solarstrom direkt verbraucht, gespeichert oder eingespeist wird. In Kombination mit einem Energiemanagementsystem kann die Anlage dabei auf Marktpreise, Ladezustand und aktuelle Verbraucher reagieren.
Für neue PV-Anlagen ist ein Hybridwechselrichter deshalb die naheliegende Basis: Der Speicher kann sofort oder später ergänzt werden, ohne die Systemarchitektur grundlegend neu aufzubauen. Bei bestehenden Anlagen lohnt sich eine Prüfung, welche Speicher- und Wechselrichterlösung technisch kompatibel ist.
Minimalvergütung bleibt - Speicher schafft zusätzliche Sicherheit
Für PV-Anlagen unter 150 kW bleibt die Minimalvergütungsprämie bestehen. Liegt der vierteljährliche Referenzmarktpreis unter der anlagenspezifischen Minimalvergütung, wird die Differenz über eine zusätzliche Prämie ausgeglichen. Bei Anlagen bis 30 kW beträgt die Minimalvergütung gemäss Swissolar 6 Rp./kWh. Für grössere Anlagen unter 150 kW gelten abgestufte Werte.
Die Minimalvergütung federt tiefe Quartalswerte ab. Ein Batteriespeicher ergänzt diesen Schutz auf Anlagenebene: Er reduziert die Einspeisung in ungünstigen Stunden und steigert gleichzeitig den Anteil des Solarstroms, der direkt im Gebäude genutzt wird.
Smart Meter und Energiemanagement gehören dazu
Die neue Regelung tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Voraussetzung für die dynamische Abnahmevergütung ist ein intelligentes Messsystem. Bei bestehenden Anlagen ohne entsprechendes Messsystem muss das Angebot spätestens ab 1. Januar 2028 verfügbar sein; die Verteilnetzbetreiber sind verpflichtet, die betroffenen Anlagen bis Ende 2027 entsprechend auszurüsten. Einzelne Netzbetreiber ermöglichen bereits 2026 einen freiwilligen Wechsel.
Marktpreise können unter anderem bei EPEX SPOT und ENTSO-E eingesehen werden. Swissolar setzt sich dafür ein, dass die für den Schweizer Markt relevanten Preise zusätzlich kostenlos in Schweizer Franken über ein öffentliches Dashboard und eine frei zugängliche Datenschnittstelle verfügbar werden.
Unsere Empfehlung
Die Veränderungen ab 2027 sollten nicht als Risiko, sondern als Chance betrachtet werden. Wer heute die richtigen Weichen stellt, kann den Eigenverbrauch erhöhen, seine Stromkosten besser kontrollieren und die Unabhängigkeit vom Strommarkt stärken.
✓ Bestehende PV-Anlagen auf Speicherpotenzial prüfen
✓ Bei Neuanlagen Hybridwechselrichter von Anfang an mit einplanen
✓ Batteriespeicher als festen Bestandteil zukünftiger Projekte berücksichtigen
✓ Eigenverbrauch optimieren und Solarstrom möglichst vor Ort nutzen
✓ Energieflüsse mit einem passenden Energiemanagementsystem intelligent steuern
Jetzt Batterie und Hybridwechselrichter gemeinsam planen
Wer heute eine neue PV-Anlage plant oder eine bestehende Anlage modernisiert, sollte Batteriespeicher und Hybridwechselrichter als Gesamtsystem betrachten. Der Hybridwechselrichter hält die Anlage flexibel, der Speicher erhöht den nutzbaren Eigenverbrauch und ein passendes Energiemanagement reagiert automatisch auf Preise und Verbrauch.
Damit wird aus dem möglichen (Ab-)Schaltjahr ein Speicherjahr: Solarstrom muss bei ungünstigen Marktpreisen nicht einfach verloren gehen, sondern kann zwischengespeichert und dann eingesetzt werden, wenn er im Gebäude den grössten Nutzen bringt.